Interdisziplinäres Institut

für Kulturgeschichte der Frühen Neuzeit (IKFN)


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Joachim von Sandrart: Das Friedensmahl im großen Rathaussaal zu Nürnberg

Joachim von Sandrart: Das Friedensmahl im großen Rathaussaal zu Nürnberg am 25.9.1649, Kunstsammlungen der Stadt Nürnberg, Inv.-Nr. Gm 0009, © Museen der Stadt Nürnberg, Kunstsammlungen.

Friedensbildung

Das juristische Wissen um Frieden im Alten Reich und in Schweden um 1600

Das Forschungsprojekt hat die Rolle und Funktion von übergeordneten Wissensbeständen und Vorstellungen vom Frieden für das Wahrnehmen, Reflektieren und Handeln jener Akteure, die aktiv an Friedensprozessen beteiligt waren, untersucht. Dabei wurde eine für die historische Friedensforschung neue, wissenssoziologisch-semantische Methodik, zu Grunde gelegt. Als Akteure wurden die Juristen als zunehmend gefragte Experten in der krisenhaften Zeit des Übergangs vom 16. zum 17. Jahrhundert ausgewählt und der Blick auf Aspekte der universitären Bildungsstrukturen und -angebote gerichtet.

Universitäten waren überterritorial nachgefragte Bildungsstätten, die zum Transfer von juristischem Friedenswissen beitrugen. „Frieden“ war demnach – so die Leithypothese - nicht die Ansammlung singulärer, temporär bedingter Ereignisse und entsprechender diplomatisch-juristischer Techniken, sondern vor dem Hintergrund der zahlreichen Konflikte des 16. und frühen 17. Jahrhunderts immer in einen übergeordneten, ethisch-normativen europäischen Denkrahmen eingegliedert.

Die Entwicklungen im Alten Reich standen im Vordergrund der Untersuchung, da sich mit der Ausbildung des ius publicum insbesondere an den protestantischen „Leituniversitäten“ um 1600 eine für das Reichsrecht wegweisende Entwicklung finden lässt. Für den komparatistisch-transferorientierten Ansatz wurde Schweden als Referenz ausgewählt, da das schwedische Reich eine ähnliche Phase innerer Destabilisierung durchlief und ein Großteil der schwedischen Juristen an ebenjenen protestantischen Leituniversitäten studierte.

Am Beispiel der universitären Ausbildung von deutschen und schwedischen Juristen an Universitäten des Alten Reiches konnte gezeigt werden, dass die im Ergebnis unterschiedlichen  Friedensvorstellungen einer gemeinsamen Debatte über zentrale Texte entsprang. Christliche und humanistische Friedensideen wurden von den Juristen mit eigenständigen Friedenstraditionen verbunden, so dass sich im Alten Reich und Schweden zwar unterschiedliche Friedensvorstellungen herausbildeten, diese jedoch auf einem christlich-humanistischen Grundkonsens basierten. Damit wurde deutlich, dass für politische Friedenskonzepte eine ähnliche, europaweite Verflechtung der Debatten zu konstatieren ist, wie dies bereits für die Religionsfrieden in der Mitte des 16. Jahrhunderts nachgewiesen wurde.

Auswahlbibliographie zum Westfälischen Frieden und zum Dreißigjährigen Krieg

 

Projektleitung:

Prof. Dr. Siegrid Westphal und Dr. Inken Schmidt-Voges

Projektmitarbeiter:

Dr. des. Volker Arnke und Tobias Bartke M.A.

 

Wichtigste Projektergebnisse:

Inken Schmidt-Voges; Siegrid Westphal; Volker Arnke; Tobias Bartke (Hg.): Pax perpetua. Neuere Forschungen zum Frieden in der Frühen Neuzeit, München 2010.  

Volker Arnke: Vom Frieden. Nicolaus Schaffshausens Werk De pace - Positiver Frieden in der Politiktheorie zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges. (Masch. Diss. Osnabrück 2017).

Tagung vom 23.-24. Oktober 2008 „Pax perpetua. Neuere Forschungen zum Frieden in der Frühen Neuzeit“ (Tagungsbericht unter http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/tagungsberichte/id=2413).

Workshop am 4. Juni 2010 “Sweden-Holy Roman Empire. Modern Cultural and Legal Transfer in a wider European Perspective” (Tagungsbericht unter http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/tagungsberichte/id=3199).