Interdisziplinäres Institut

für Kulturgeschichte der Frühen Neuzeit (IKFN)


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Porträt Justus Mösers von Ernst Gottlob, Öl auf Leinwand, 1777. Kulturgeschichtliches Museum Osnabrück, Inv.-Nr. A 5004 a, Foto: Christian Grovermann. Mit freundlicher Genehmigung der Justus-Möser-Gesellschaft Osnabrück.

Porträt Justus Mösers von Ernst Gottlob, Öl auf Leinwand, 1777. Kulturgeschichtliches Museum Osnabrück, Inv.-Nr. A 5004 a. Foto: Christian Grovermann. Mit freundlicher Genehmigung der Justus-Möser-Gesellschaft Osnabrück.

Justus Möser als Essayist und Publizist

Im literarischen Werk des Osnabrücker Juristen, Publizisten und Schriftstellers Justus Möser (1720–1794) nehmen die von ihm zunächst vorwiegend in der regionalen periodischen Presse veröffentlichen Aufsätze, Erzählungen, Skizzen, Betrachtungen und Abhandlungen einen prominenten Platz ein. Zumeist erschienen diese literarischen Beiträge in den „Wöchentlichen Osnabrückischen Anzeigen“ – einem „Intelligenzblatt“, das Möser seit 1766 herausgab. Unter „Intelligenzblättern“, einer originären Pressegattung des Aufklärungszeitalters, versteht man Anzeigenblätter, in denen geschäftliche Angebote, familiäre Nachrichten sowie amtliche Mitteilungen und unterhaltsame Beilagen gedruckt wurden. Von den rund 450 Aufsätzen Mösers, die in den „Anzeigen“ enthalten sind, wurden knapp 290 in eine vierbändige Buchpublikation übernommen, die in den Jahren 1774 bis 1786 unter dem Titel „Patriotische Phantasien“ erschien und in der literarischen Öffentlichkeit des 18. Jahrhunderts nachhaltig diskutiert wurden. Eine beträchtliche Zahl dieser Texte ist der Gattung des Essays zuzurechnen. An die Seite der „periodical essays“ treten weitere essayistische Einzelschriften wie zum Beispiel „Harlekin. Oder Vertheidigung des Groteske-Komischen“ (1761, 2. Aufl. 1777) oder „Über die deutsche Sprache und Literatur“ (1781).

Das Projekt verfolgte das Ziel, die in literatur- und mediengeschichtlicher Hinsicht stagnierende Forschung zum Werk Mösers an die modernen Fragestellungen der literaturwissenschaftlichen Essay- und der pressegeschichtlichen Intelligenzblatt-Forschung heranzuführen. Dabei sollte die Bedeutung Mösers als eines originellen Autors sowohl im Medium des Intelligenzblattes als auch in der Gattung des Essays profiliert und dessen literarische Modernität erwiesen werden. Das zu untersuchende Werksegment (Aufsatzpublikationen in regionalen Intelligenzblättern und überregionalen Zeitschriften, später gesammelt in einer Buchausgabe) ist bibliographisch erfasst und editorisch erschlossen. Die Projektarbeit konnte zudem auf den umfangreichen Bestand an Forschungsmaterialien der ehemaligen „Justus-Möser-Dokumentationsstelle“ zurückgreifen, der in der Bibliothek des Instituts verwahrt wird.

Die Aufarbeitung der Texte und ihres Entstehungsrahmens erfolgte in interdisziplinär angelegten Monographien je eines Literatur- und eines Presse- bzw. Medienhistorikers. Eine solche kombinierte Arbeitsweise machte es einerseits möglich, die überholten Ergebnisse der pressegeschichtlichen Arbeiten zu Mösers Werk aus den 1930er Jahren zu ersetzen sowie die modernen Methoden der neueren Intelligenzblatt-Forschung zu integrieren; andererseits konnte in literaturwissenschaftlicher Perspektive an die internationale Essay-Forschung angeknüpft werden, von der inzwischen eine profilierte Kennzeichnung des Essays als spezifischer Denkform des 18. Jahrhunderts erarbeitet wurde. Auf diese Weise wurde ein neuer Blick auf das essayistische und publizistische Werk Mösers geworfen, der Autor konnte zudem in die Formgeschichte moderneorientierter Schreibweisen eingeordnet werden. Das Projekt ist als ein Baustein für eine Neubewertung von Mösers publizistischer und essayistischer Tätigkeit im Rahmen der deutschen und europäischen Aufklärungsbewegung zu bewerten.

Projektmitarbeiter

Dr. Winfried Siebers (wiss. Mitarbeiter)
Patrick Bischoff M.A. (Doktorand)

Projektförderung

2012-2014 Fritz Thyssen Stiftung