Interdisziplinäres Institut

für Kulturgeschichte der Frühen Neuzeit (IKFN)


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Profil des IKFN

Das IKFN widmet sich der interdisziplinären Erforschung der Frühen Neuzeit (ca. 1500-1800). Es gehört damit zu den wenigen deutschen Forschungseinrichtungen, die sich explizit der Frühen Neuzeit zuwenden und für ein möglichst facettenreiches Bild die verschiedenen Blickwinkel und Erkenntnisinteressen mehrerer geisteswissenschaftlicher Disziplinen bündeln. Insgesamt kooperieren im IKFN neun Fächer:

Disziplinen, die im IKFN miteinander kooperieren
- Geschichte,
- Kunstgeschichte,
- Romanistik,
- Anglistik/Amerikanistik,
- Latinistik,
- germanistische Literaturwissenschaft,
- Musikwissenschaft,
- evangelische Theologie
- katholische Theologie.

Unterstützt von internationalen und überregionalen Kooperationspartnern leistet das IKFN seit über 20 Jahren einen wesentlichen Beitrag zur Interdisziplinarisierung der Frühneuzeitforschung und Internationalisierung der deutschen Forschungslandschaft. Die Universität Bordeaux III, die Universität Bologna, die Universität Amiens und das Deutsche Studienzentrum Venedig stehen als internationale Forschungspartner ebenso an der Seite des IKFN wie das Frankreichzentrum der Freien Universität Berlin und die Deutsche Shakespeare Gesellschaft. Innerhalb Deutschlands besteht eine enge Zusammenarbeit und dauerhafte Kooperation mit der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel, der Forschungsbibliothek Gotha, dem Verbund REFO 500, der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg und dem Niedersächsischen Freilichtmuseum Museumsdorf Cloppenburg. Ein renommiert besetzter wissenschaftlicher Beirat des Instituts spiegelt die interdisziplinäre Ausrichtung des IKFN wider.

 

Forschungsschwerpunkte

1. Kultur- und Ideengeschichte im europäischen Kontext

Die Kultur- und Ideengeschichte ist seit Jahren ein etablierter und prägender Forschungsschwerpunkt des IKFN. 

Wichtiger Träger des Schwerpunkts ist das im April 2015 in Kooperation mit der Herzog August Bibliothek (HAB) Wolfenbüttel angelaufene Promotionsprogramm Wissensspeicher und Argumentationsarsenal. Es untersucht die Bibliothek als ein ideengeschichtliches Reservoir, in dem Wertevorstellungen vergangener Epochen, deren Bestehen und Wandel sowie Kontroversen gespeichert worden sind.

Auch die Untersuchung deutsch-französischen Kulturaustauschs ist wichtiger Bestandteil der kultur- und ideengeschichtlichen Forschung des IKFN. In diesem Bereich bestehen Kooperationen zwischen Prof. Dr. Wolfgang Adam und französischen Partnern in Bordeaux und Paris. Das aktuelle Forschungsprojekt untersucht Gallotropismus und Zivilisationsmodelle im deutschsprachigen Raum (1660-1789).

Das Forschungsprojekt Justus Möser als Essayist und Publizist, das literarische Beiträge des Osnabrücker Staatsmanns und Schriftstellers Justus Möser unter modernen essay- und pressegeschichtlichen Gesichtspunkten untersucht, ist ebenfalls Teil des kultur- und ideengeschichtlichen Schwerpunkts der Osnabrücker Frühneuzeitforschung.

 

 

Friedensbote aus Münster, 1648

Friedensbote aus Münster, 1648

2. Historische Friedensforschung

Ein zweites Kernthema des IKFN, das zugleich ein Profilelement der Universität Osnabrück darstellt, ist die historische Friedensforschung. In diesem Schwerpunkt werden politik- und diplomatiehistorische Herangehensweisen um ideengeschichtliche, insbesondere historisch-semantische Ansätze erweitert. Damit gelingt es, frühneuzeitliche Vorstellungen, Konzepte und Praktiken von Frieden in neuer Perspektive zu beleuchten. Ziel ist die Herausarbeitung frühneuzeitlichen Friedenswissens und vormoderner Friedenskultur - mit ihren Trägern, ihrer Verbreitung und ihren Differenzierungen. Derzeit laufen drei Forschungsprojekte:

Mediale Konstruktionen von Frieden in Europa 1710-1721
Friedensbildung. Das juristische Wissen um Frieden im Alten Reich und in Schweden um 1600
Pax, Pactum, Pacificatio – Zur inneren und äußeren Struktur von Friedensstiftungen mit den Mitteln des Rechts ab der Mitte des 16. Jahrhunderts bis zum Dreißigjährigen Krieg

Die Tradition der historischen Friedensforschung am IKFN beruht auf dem vielbeachteten internationalen Kongress von 1998 zum 350. Jubiläum des Westfälischen Friedens und den zwei Ausstellungen - Was umb und umb wird kommen, soll frieden heißen (1998) sowie Süß ist der Krieg den Unerfahrenen (2003).
Es ist geplant, die historische Friedensforschung am IKFN durch die erneute Fokussierung des Westfälischen Friedenskongresses weiter auszubauen.

3. Adels- und Hofforschung

Im Fokus der Adels- und Hofforschung am IKFN stehen aktuell die Hofgeistlichkeit, das Verhältnis von Ritterschaft und Reformation sowie die Erweiterung des geografischen Untersuchungsraums um das Baltikum. Der Forschungsbereich ist bereits seit vielen Jahren ein Schwerpunkt des IKFN, der von Prof. Dr. Siegrid Westphal zunächst mit einem Drittmittelprojekt zur Adelskultur in Nordwestdeutschland fortgeführt wurde. 

4. Geisteswissenschaftliche Grundlagenforschung

Seit Jahrzehnten ist die geisteswissenschaftliche Grundlagenforschung ein Kernelement des IKFN, das in Handbuch- und Editions- sowie in Ausstellungsprojekten Ausdruck findet und unter der Programmatik "Erschließen, Erforschen und Vermitteln" plastisch zusammengefasst werden kann. 

a) Handbuch kultureller Zentren der Frühen Neuzeit

Zu den Werken der Grundlagenforschung, die am IKFN entstanden sind und entstehen, zählt das 2012 publizierte und mittlerweile breit rezipierte Handbuch Kultureller Zentren der Frühen Neuzeit. Das Nachschlagewerk vereint Überblicksdarstellungen zu 51 Orten des alten deutschen Sprachraums, denen eine kulturelle Zentralitätsfunktion zugeschrieben wird.

b) Edition des personalen Gelegenheitsschrifttums

Das stetig erweiterte und von Prof. em. Dr. Drs. h.c. Klaus Garber geleitete Editionsprojekt des personalen Gelegenheitsschrifttums ist seit mehr als 20 Jahren ein Aushängeschild des IKFN. Das Handbuch umfasst anlassbezogene frühneuzeitliche Druckschriften, die aus 30 vornehmlich osteuropäischen Bibliotheken, Archiven und Museen stammen.

c) Historische Umweltforschung

Umweltgeschichte hat in jüngerer Zeit Konjunktur. Das IKFN leistet dazu seit 2009 mit dem Projekt Mensch und Umwelt einen wichtigen Beitrag, das die Frage der nachhaltigen Landnutzung in der Frühen Neuzeit thematisiert und durch Kooperation mit Museen und Schulen eine breite Wirkung entfaltet. Ein in der Öffentlichkeit weithin wahrgenommenes Projektergebnis war eine Ausstellung im Museumsdorf Cloppenburg.

 

Forschungsbibliothek

Das Forschungsprofil des IKFN spiegelt sich in der Forschungsbibliothek des Instituts wider: Als Spezialbibliothek stellt sie einen enormen Fundus an Literatur und Quellen zur Erforschung der Frühen Neuzeit, insbesondere zur Bildungsgeschichte und zur historischen Friedensforschung bereit. Sie erweitert stetig den Bestand an frühneuzeitlichen Altdrucken und Forschungsliteratur.

 

Beratungstätigkeit

Die Mitglieder des IKFN sind auf verschiedene Weise beratend tätig. So werden z.B. im Rahmen der Vorbereitung des 500. Jubiläums der Reformation (REFO 500) zahlreiche Ausstellungen, Kongresse und Feierlichkeiten durchgeführt, an deren Vorbereitung IKFN-WissenschaftlerInnen beteiligt sind. Doch nicht nur in nationaler sondern auch in regionaler Hinsicht werden außeruniversitäre Kultur- und Wissenschaftseinrichtungen wie z.B. der Landschaftsverband Osnabrücker Land beraten.

 

Institutsberichte

Die Berichte geben einen Überblick über die am IKFN seit 2006 geleistete Forschungsarbeit.

2006-2009
2010-2014

 

Organisation und Struktur des IKFN

Organisation und Struktur des IKFN